Auf dem aktuellen stand bleiben

Reisebericht von Carsten Klemm

Wassermengenzählung am Frischwasserbrunnen

Seit geraumer Zeit habe ich immer wieder über Entwicklungshilfe nachgedacht und mich gefragt, ob ich mit meinen Fähigkeiten damit in Berührung kommen werden. Nach einem Zweitstudium mit Schwerpunkt Energie war es letztes Jahr dann soweit. Eine gute Freundin die als Architektin bei FACE arbeitet, hatte mir viel über das Projekt erzählt. Aus den Gesprächen heraus merkte ich, dass gerade im Bereich nachhaltige Wasser- und Energieversorgung Fragen ungeklärt blieben, die mir auf dem Herzen lagen. Es war wie ein leiser Ruf, und ich folgte ihm.

Pumpentest am Shire bei einem Gärtner aus Zalewa

Nach einigen Monaten der Einarbeitung in Berlin verbrachte ich schließlich Ende April diesen Jahres zwei Wochen in Malawi vor Ort. Unterstützt durch die Volontäre konnte ich dort Messungen zu Wasserverbräuchen durchführen sowie Daten zu den elektrischen Verbrauchern aufnehmen. Besonders beschäftigt hat mich der Frischwasserbrunnen. Es stellte sich leider heraus, dass sich in den Aufbau der Pumpengeräte einige technische Fehler eingeschlichen haben, die es nun gilt zu beseitigen. Zudem wurde deutlich, dass der Brunnen nahe seiner Kapazitätsgrenze betrieben wird, da der Wasserverbrauch auf dem Campus durch zunehmende Pflanzenbewässerung ansteigt. Die demnächst einsetzenden Toilettenspülungen werden das Problem weiter verschärfen. Auch wenn ich theoretisch weiß, dass Wasser nicht überall auf der Welt selbstverständlich ist; es vor Ort einmal zu spüren, war eine wichtige Erkenntnis für mich, die mich dankbar aber auch demütig macht.

Interessant auch: Wenn man sich einem Thema widmet, kommt man unweigerlich zum nächsten. Die Wasserbilanz des Campus beispielsweise bringt mich weiteren Fragen und Ideen: Wie kann es uns gelingen, Regenwasser zur Entlastung des Frischwasserbrunnens aufzufangen? – Ein ungenutzter alter Pool auf dem Gelände könnte ein Ansatz dazu sein. Können wir Flusswasser aus dem nahegelegenen Shire-River nutzen? – Erste Gespräche mit Großgärtnereien am Fluss lassen darin Potential vermuten. Wie sieht ein Drainagesystem auf dem Campus aus, welches in der Regenzeit den Boden vor Erosion schützt? – Einige Ansätze haben wir bereits mit den Bauleuten und dem Gärtner vor Ort diskutiert.

Erste Brunneninspektion gemeinsam mit Volontär Fynn Sudermann

Die Zeit vor Ort verging viel zu schnell. Ich wäre gern länger geblieben um direkt vor Ort mehr zu bewegen. Denn allzu oft sind unsere Kommunikationswege von Berlin nach Zalewa ganz schön lang. Und doch schwingt auch immer die Frage mit, wie wir in allen Themen, die wir bewegen und anstoßen, letztlich auch die Staffelstäbe an die Menschen vor Ort übergeben können. Es bleibt – viel zu tun und viel zu beten.

Zur Person:
Carsten Klemm ist 35 Jahre alt. Er liebt und lebt in Berlin, macht gern Musik und engagiert sich in der Evangelischen Gemeinde „Berlin Projekt“. Er hat ein Diplom in Maschinenbau und einen MBA in Energy Management. Sein täglich Brot verdient er in einem deutschen Automobilkonzern. Seit Oktober 2017 ist er im FACE Bauteam mit dem Fokus „Nachhaltigkeit Wasser und Energie“ dabei.